Zensus Zensus 2022 vor Ort: Damit alles reibungslos läuft

Pressemitteilung Nr. 09 vom 06.04.2022

  • Erhebungsstellen sind zuständig für die Zensus-Befragungen vor Ort
  • Sie sind verantwortlich für die Auswahl, Schulung und Betreuung aller Beteiligten
  • Es gelten Corona-Schutzmaßnahmen bei persönlichen Befragungen

WIESBADEN – Jürgen Lenz und Oliver Grow leiten beide eine Erhebungsstelle beim Zensus 2022. In unserem Interview berichten sie, wie sie dazu gekommen sind, was sie in dieser Funktion machen und welche besonderen Herausforderungen es für ihre Arbeit gibt.

Lieber Herr Grow, lieber Herr Lenz, Sie sind beide für den Zensus 2022 als Leiter einer Erhebungsstelle im Einsatz. Sie, Herr Grow, für die Stadt Leverkusen und Sie, Herr Lenz, für den Kreis Mettmann. Was ist eine Erhebungsstelle – und was machen Sie dort genau?
Jürgen Lenz: Im Zensus holen Interviewerinnen und Interviewer Daten von Bürgerinnen und Bürgern in ganz Deutschland ein. Für den Kreis Mettmann sind zum Beispiel 350 solcher Erhebungsbeauftragten im Einsatz. Die können ja nicht einfach so losgeschickt werden, sondern deren Einsatz muss zentral organisiert werden, damit alles reibungslos läuft. Und genau das ist die Aufgabe der Erhebungsstellen.

Der Zensus ist ein statistisches Großprojekt. Wann beginnen Sie in den Erhebungsstellen mit den Vorbereitungen dafür?
Oliver Grow: In Leverkusen haben wir bereits 2016 mit den ersten Vorbereitungen für den Zensus begonnen. Wirklich aktiv eingestiegen sind wir dann im Jahr 2020. Da ging es dann unter anderem darum, Räume für eine Erhebungsstelle zu finden und Stellenausschreibungen vorzubereiten. Letztes Jahr ist der Zensus dann ja wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr nach hinten verschoben worden, weswegen wir unsere Aktivitäten erst einmal eingefroren haben. Wieder aufgenommen haben wir unsere Arbeit im Sommer vergangenen Jahres.
Lenz: Bei uns im Kreis Mettmann war das eigentlich ähnlich. Wir arbeiten mit den zuständigen Kommunen seit rund drei Jahren an den Vorbereitungen für den Zensus. Aber natürlich haben auch wir unsere Aktivitäten wegen der Pandemie zwischenzeitlich auf Eis legen müssen.

Der Zensus findet alle zehn Jahre statt. Erhebungsstellenleiter sind Sie also nur temporär. Was machen Sie sonst?
Grow: In meinem „normalen“ Leben bin ich eigentlich stellvertretender Leiter unserer Statistikstelle. Als die Stadt 2016 auf der Suche nach einer Erhebungsstellenleitung für Leverkusen war, fiel die Wahl schnell auf mich, da ich diese Aufgabe 2011 schon einmal übernommen hatte. Wenn 2023 alle Arbeiten für den Zensus beendet sind, kehre ich wieder auf meinen normalen Posten in unserer Statistikstelle zurück.
Lenz: Da gibt es Überschneidungen zwischen Herrn Grow und mir. Ich leite normalerweise die Statistikstelle im Kreis Mettmann. Diese vorübergehende Aufgabenübernahme bietet sich an, da der Zensus ja nicht mit der Datenerhebung beendet ist. Danach werden bei uns in der Statistikstelle regionale Auswertungen der Zensus-Ergebnisse vorbereitet.

Auch Ihr normales Berufsleben ist also von der Statistik geprägt. Was ist dennoch für Sie das Besondere an der Arbeit als Erhebungsstellenleiter?
Grow: Zwar gehören Statistikstelle und Erhebungsstelle untrennbar zusammen, beide machen aber doch etwas sehr anderes. Die Arbeit in den Erhebungsstellen hat eigentlich nur wenig mit Statistik zu tun, denn hier kümmern wir uns vor allem um organisatorische Aufgaben.
Lenz: Genau. Die Arbeit in der Erhebungsstelle ist also eine schöne Abwechslung zu unseren sonstigen Aufgaben in der Statistik. Als Erhebungsstellenleitungen sind wir mitten in der Datenerhebung dabei – das passiert uns in den Statistikstellen nur sehr selten. Außerdem ist es ein sehr abwechslungsreicher Job, bei dem man nie so genau weiß, was einen den Tag über erwartet.

Für den Zensus 2022 sind zahlreiche Interviewerinnen und Interviewer im Einsatz, die sogenannten Erhebungsbeauftragten. Wie finden Sie Menschen, die an dieser Aufgabe Interesse haben?
Grow: In Leverkusen werden ungefähr 12 000 Menschen befragt. Um alle diese Menschen befragen zu können, benötigen wir ungefähr 120 bis 125 Interviewerinnen und Interviewer. Bei der Rekrutierung wenden wir uns vor allem an städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Außerdem werben wir auf Ehrenamtsbörsen und natürlich auf Social Media. Aufgrund meiner Erfahrungen aus dem letzten Zensus bin ich eigentlich recht zuversichtlich, dass wir unsere Interviewerinnen und Interviewer schnell zusammen bekommen werden.
Lenz: Das Vorgehen ist bei uns ähnlich. Nur, dass wir im Kreis Mettmann etwa vier Mal so viele Befragte haben und dementsprechend mit 350 Personen auch mehr Interviewerinnen und Interviewer benötigen. Was uns dabei Probleme bereiten könnte, ist die Corona-Pandemie. Dass der ein oder die andere Erhebungsbeauftragte krankheitsbedingt ausfällt, werden wir kaum vermeiden können. Daher werden wir auch einen Pool von Interviewerinnen und Interviewern in Reserve haben, die im Notfall einspringen können.

Wie und wie lange werden die Interviewerinnen und Interviewer denn auf die Befragungen vorbereitet?
Grow: Alle Interviewerinnen und Interviewer werden im Vorfeld von uns geschult. Für diese Schulungen gibt es genaue Vorgaben von den Statistischen Ämtern der Länder und dem Statistischen Bundesamt. Ich rechne mit drei bis fünf Stunden insgesamt.
Lenz: Die Schulungen sind im Vergleich zu 2011 auf jeden Fall komplexer. Das ist auch der Corona-Pandemie geschuldet. Wir gehen davon aus, dass einige der Befragten gegenüber staatlichen Maßnahmen kritischer eingestellt sind. Wir bereiten daher unsere Interviewerinnen und Interviewer auch auf den Umgang mit emotionsgeladenen Diskussionen vor.

Was genau raten Sie den Interviewerinnen und Interviewer in so einer Situation? Oder auch hinsichtlich des Falls, dass sie an der Tür abgewiesen werden?
Lenz: Dass man die Tür vor der Nase zugeknallt bekommt oder anderweitig beleidigt wird, passiert eigentlich selten. Die meisten sind sehr kooperativ. Aber natürlich gibt es Menschen, die Fragen zum Zensus oder Vorbehalte haben. Und das ist auch in Ordnung so. In solchen Fällen hat es sich immer als sinnvoll erwiesen, den Menschen nochmal sachlich den Nutzen des Zensus zu erklären.

Nun findet der Zensus unter den besonderen Bedingungen der Corona-Pandemie statt. Was tun Sie als Erhebungsstellenleiter, um die Interviewerinnen und Interviewer aber auch ihre Interviewpartnerinnen und -partner zu schützen?
Grow: Wir halten uns natürlich an alle aktuell geltenden Hygienemaßnahmen und schulen unsere Erhebungsbeauftragten dazu entsprechend. Zusätzlich statten wir unsere Interviewerinnen und Interviewer mit Masken, Desinfektionsmitteln und weiteren Hilfsmitteln für einen effektiven Schutz vor einer Infektion aus. In Leverkusen haben wir uns außerdem dazu entschlossen, dass alle unseren Interviewerinnen und Interviewer geimpft oder genesen sein müssen.
Lenz: Auch bei uns müssen alle Interviewerinnen und Interviewer entweder geimpft oder genesen sein und sich an die geltenden Hygienemaßnahmen halten. Wir wollen alles so sicher wie möglich machen. Dank unserer Online-First-Strategie dauern die Haushaltebefragungen auch nur noch wenige Minuten, weswegen wir die Infektionsgefahr nochmal zusätzlich reduzieren können.

Sie haben gerade die Online-First-Strategie des Zensus angesprochen. Große Teile der Befragung können online beantwortet werden. Neben dem verringerten Infektionsrisiko, welche Vorteile hat das noch für Ihre Arbeit?
Lenz: Online first bedeutet, dass das Antworten via Internet in diesem Jahr der Normalfall ist und das - auch unter Umweltgesichtspunkten nicht optimale - Antworten über Papierfragebogen die Ausnahme. 2011 war es umgekehrt. Damals führten die Interviewerinnen und Interviewer vielfach noch die kompletten Interviews in den Wohnungen durch. In diesem Jahr werden sie einige kurze Fragen, etwa zu Name und Geburtsdatum, an der Haustür stellen und dann die Zugangsdaten für den Online-Fragebogen übergeben. Der Online-Fragebogen bietet viel mehr Hilfestellungen als ein Papierfragebogen. Es werden nur die Fragen angezeigt, die individuell relevant sind. Insofern macht die Online-First-Strategie die Beantwortung der Fragen einfacher.
Grow: Außerdem hat sich die Technik und auch das Nutzungsverhalten der Menschen in den vergangenen elf Jahren stark weiterentwickelt. Heute nutzen fast alle das Internet und haben ein Smartphone oder ein Tablet zu Hause. Daher entspricht die Online-First-Strategie auch den Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger an eine moderne Verwaltung.

Im Zusammenhang mit dem Zensus steht auch das Thema Datenschutz. Die Menschen, die für den Zensus befragt werden, vertrauen Ihnen sehr persönliche Daten an. Was tun Sie, um diese Daten zu schützen?
Lenz: Datenschutz hat in der amtlichen Statistik einen sehr hohen Stellenwert und war natürlich auch schon beim Zensus 2011 ein ganz wichtiges Anliegen. Aber die Anforderungen sind seither weiter gestiegen. Wir haben zum Beispiel die Datenschutz-Grundverordnung, die den Datenschutz in vielen Bereichen auf ein neues Niveau gestellt hat. Wir haben den Datenschutz bei allem, was wir machen, immer im Blick. So wählen wir zum Beispiel unsere Interviewerinnen und Interviewer sehr sorgfältig aus. Wir setzen auf städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie auf Ehrenamtliche aus den Kommunen, also auf Menschen, deren Zuverlässigkeit und Integrität außer Zweifel steht. Wir prüfen alle Bewerberinnen und Bewerber eingehend; gegebenenfalls auch durch die Einholung eines Führungszeugnisses. Außerdem achten wir darauf, dass die Interviewerinnen und Interviewer keine Befragungen in ihrem eigenen Wohnumfeld tätigen müssen und dass ihr beruflicher Background nicht zu Interessenskonflikten mit ihrer Tätigkeit führt. Und auch unsere Online-First-Strategie führt zu einem besseren Datenschutz, da die Befragten Fragen zu Bildung, Erwerbstätigkeit und Beruf alleine beantworten können und dazu keine Erhebungsbeauftragten mehr benötigen.
Grow: Ergänzen kann ich dazu noch die Vorgabe, dass kein Bürger und keine Bürgerin den Kernbereich der Erhebungsstellen betreten dürfen. So laufen wir nie Gefahr, dass jemand Unbefugtes Zugang zu Daten des Zensus bekommt – auch wenn zum Beispiel einmal Unterlagen auf den Schreibtischen liegen bleiben. Für Bürgerinnen und Bürger, die persönliche Gespräche führen wollen, werden eigene Bereiche eingerichtet. Und wenn auch ich nochmal den Vergleich zu 2011 ziehen darf, dann muss man natürlich auch sagen, dass sich die IT-Sicherheit in unseren Behörden in den vergangenen zehn Jahren enorm verbessert hat.

Vielen Dank für das Interview!

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