Wie funktioniert der Zensus?

01 Wie funktioniert die Ermittlung der amtlichen Einwohnerzahlen?

Beim registergestützten Zensus wird im Gegensatz zu traditionellen Volkszählungen nicht jeder Haushalt von Interviewerinnen und Interviewern befragt. Am Ende müssen alle Einwohnerinnen und Einwohner erfasst werden. Wie funktioniert das?

02 Registerdaten und Stichprobengröße

Interview mit Steffen Seibel Registerdaten und Stichprobengröße

Steffen Seibel vom Statistischen Bundesamt erklärt im Interview die Änderungen der Stichprobenmethodik. Was wird sich gegenüber dem Zensus 2011 für den Zensus 2022 ändern? Welche Herausforderungen gibt es? Und warum werden jetzt auch die Gemeinden unter 10 000 Einwohnern befragt?

Zum Interview

03 Datenschutz und Informationssicherheit

Datenschutz und Informationssicherheit sind weit mehr als eine gesetzliche Pflicht: Denn die amtliche Statistik lebt vom Vertrauen und der Akzeptanz der Bevölkerung. Daher legen die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder beim Zensus einen wichtigen Schwerpunkt auf umfassende Sicherheitsvorkehrungen, die den Schutz Ihrer Daten bestmöglich gewährleisten.

04 Die Methode hinter dem Zensus 2022

Die Methode hinter dem Zensus 2022

Die Ergebnisse des Zensus 2011 bilden heute die Grundlage amtlicher Statistiken. Zwar werden die Daten anhand von Informationen über Geburten, Todesfälle und Ummeldungen kontinuierlich aktualisiert ("fortgeschrieben"), doch sind die Quellen dieser Anpassungen, die amtlichen Register, nicht immer präzise. Die Fortschreibungszahlen werden daher von Jahr zu Jahr ungenauer.

Die klassische Volkszählung

Die letzte klassische Volkszählung fand in Deutschland im früheren Bundesgebiet im Jahr 1987 statt. Hierbei handelte es sich – wie beim Zensus – um eine gesetzlich angeordnete Erhebung statistischer Bevölkerungsdaten. Allerdings wurde die Bevölkerung nicht anhand einer Stichprobenziehung erhoben, sondern im Rahmen einer Vollerhebung. Hierbei waren alle Bürgerinnen und Bürger zur Auskunft verpflichtet.

Der moderne Zensus

Beim Zensus 2022 kommt – wie schon beim Zensus 2011 – ein von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder entwickeltes Verfahren zum Einsatz, das als registergestützter Zensus bezeichnet wird. Das bedeutet, es müssen nicht wie bei einer traditionellen Volkszählung alle Bürgerinnen und Bürger befragt werden, da die meisten Daten bereits in den Registern der Verwaltung vorliegen, etwa im Einwohnermeldeamt.

Beim registergestützten Zensus werden Kopien dieser Daten an die amtliche Statistik übermittelt. Dort werden sie unter strengen Datenschutzvorgaben in einem abgeschotteten Bereich zusammengeführt. Möglicherweise sind einzelne Personen oder ganze Familien umgezogen und haben sich am neuen Wohnort noch nicht angemeldet. In diesen Fällen sind die Melderegister fehlerhaft. Um solche Ungenauigkeiten in der Statistik herauszurechnen werden weniger als zehn Prozent der Bevölkerung in einem kurzen Interview befragt. Diese Stichprobenbefragung ist außerdem notwendig um Daten zu erheben, die nicht in den Registern vorliegen, wie z.B. Angaben zu Bildung und Ausbildung oder zur Erwerbstätigkeit.

Für Wohnungen und Gebäude gibt es keine flächendeckenden Register. Daher werden etwa 17,5 Mio. Besitzerinnen und Besitzer von Eigentumswohnungen oder Wohngebäuden in Deutschland postalisch befragt. Eine weitere Befragung betrifft Wohnheime (z.B. Studierendenwohnheime) und Gemeinschaftsunterkünfte (z.B. Alten-/Pflegeheime und Kinder-/Jugendheime). An diesen Anschriften sind die Register besonders ungenau, weil es häufig zu Umzügen kommt.

Der registergestützte Zensus liefert verlässliche Ergebnisse für ganz Deutschland, obwohl nicht alle Menschen in Deutschland befragt werden.

Unterschiede zum Mikrozensus

Der Begriff Mikrozensus bedeutet "kleine Volkszählung". Es handelt sich um eine gesetzlich angeordnete statistische Erhebung, bei der seit 1957 jedes Jahr ein Prozent der Haushalte bundesweit befragt wird.

Im Mikrozensus werden mehr und detailliertere Fragen als im Zensus gestellt. Aufgrund des breiten Spektrums an Erhebungsmerkmalen eignet sich der Mikrozensus für die Analyse kleinerer Subpopulationen wie z. B. einzelner Berufsgruppen. Darüber hinaus ermöglicht die zeitliche Kontinuität des Mikrozensus Untersuchungen im Zeitverlauf, mit denen sich historische Entwicklungen aufzeigen lassen. Dabei kann der Mikrozensus ebenfalls für Längsschnittanalysen genutzt werden. Auch eignet sich der Mikrozensus für Vergleiche im internationalen Kontext, da für verschiedene Themenbereiche internationale Standards existieren. Darüber hinaus stellt der Mikrozensus für eine Vielzahl an Erhebungen der empirischen Sozial- und Meinungsforschung sowie der amtlichen Statistik ein wichtiges Hochrechnungs-, Adjustierungs- und Kontrollinstrument dar. Die Ergebnisse können allerdings ausschließlich für Deutschland, die Bundesländer, große Städte und Kreise bzw. Regionen ausgewiesen werden, da die Stichprobe mit einem Prozent der Haushalte zu gering für detailliertere Ergebnisdarstellungen ist. Beim Zensus hingegen werden alle Gebäude- und Wohnungseigentümer Deutschlands und zusätzlich zu den Angaben aus Registern zehn Prozent der Haushalte sowie die Bewohner von Wohnheimen und Gemeinschaftsunterkünften befragt. Dadurch sind für alle Städte und Gemeinden Ergebnisse verfügbar.

Das Ziel des Mikrozensus ist also nicht – wie beim Zensus – die Feststellung der amtlichen Einwohnerzahl. Der Mikrozensus liefert dafür alljährlich Daten zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Bevölkerung in Deutschland. Hierzu gehören u. a. Informationen zu Haushalts- und Familienstrukturen, zu Arbeitsmarkt und Erwerbstätigkeit, zu Ausbildung und Weiterbildung, zur Einkommenssituation und vielen weiteren Themen. Im Gegensatz zum Zensus ermöglicht der Mikrozensus sehr viel detailliertere Informationen über wichtige Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft. In kurzen Zeitabständen können mit dem Mikrozensus Eck- und Strukturdaten sowie deren Veränderungen ermittelt und dadurch die Datenlücken zwischen den großen Volkszählungen (hier: Zensus 2011 und Zensus 2022) gefüllt werden.

WISTA Sonderheft

05 Geheimhaltung beim Zensus

Um das Grundrecht aller Bürgerinnen und Bürger auf informationelle Selbstbestimmung zu schützen und den Vorgaben des Bundesstatistikgesetzes Rechnung zu tragen, dürfen aus den Veröffentlichungen des Zensus keinerlei Rückschlüsse auf die Angaben von Einzelpersonen oder auf andere Einzelfälle möglich sein. Gleichzeitig sollen so viele allgemeine Erkenntnisse wie möglich aus den veröffentlichten Daten gezogen werden können. Dies wird durch den Einsatz eines sogenannten Geheimhaltungsverfahrens gewährleistet.